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Verhandlungen des Reichstages des Norddeutschen Bundes. - Berlin, 1869
Bd.: 7. 1869
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 y,A-7

ID: 00018291
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... welche der Herr Präsident des Bundeskanzler-Amts angeführt hat, ihr großes und unverkennbares Gewicht haben, und daß ich im ersten Stadium dieser Sache um dieser Argumente willen mich auf demselben Standpunkte befunden habe und gegen das Amendement des Grasen Bethusy eingenommen war. Mich hat aber die Ausführung des Herrn Abgeordneten von Hoverbeck bei der zweiten Lesung eines Besseren belehrt und zum Anhänger dieses Amendements gemacht aus lediglich praktischen Gründen. Ich habe nämlich einige Erfahrung iu dieser Sache, weil sich in meiner unmittelbaren Nähe mehrfach die Kalamität der Rinderpest abgespielt hat. Aus praktischen Gründen scheint mir durchaus richtig zu sein, was der Herr Abgeordnete von Hoverbeck gesagt hat: daß dieses Amendement das sparsamste sei. Ich glaube, daß die Befürchtung, die sich an das Amendement knüpft, daß dadurch die Last für den Norddeutschen Bund eine größere werde, unbegründet ist; ich glaube vielmehr, daß die Last für den Bund nach den gemachten Erfahrungen aus Grund des Bethusyschen verbesserten Amendements eine leichtere werden wird. Es ist mir gar nicht zweifelhaft, daß, wenn die Behörde Kenntniß erlangt von dem Ausbruch der Rinderpest, und wenn die Bestimmungen so liegen, wie sie in dieser Beziehung die Vorlage bringt, sowohl die Lokalbehörde, als der Kommissarjus selbst sehr geneigt sein wird, sofort alle Rindviehstände, die irgendwie der Infektion ausgesetzt sind, beseitigen, d. h. tödten zu lassen, ohne zu untersuchen, ohne die Möglichkeit ins Auge zu fassen, ob vielleicht die Krankheit in deu infizirten Ortschaften auf einen geringeren Bestand eingeschränkt bleiben kann. Es giebt ja Fälle, ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1872
Bd.: 25. 1872
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-25

ID: 00018360
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... dienen sollen, auch gesund an ihren Bestimmungsort ankommen. Das Mindeste ist also ein Tränken der Thiere in gewissen Zwischenräumen, die festgesetzt werden müssen, Zwischenräume nicht blos nach Stationen, sondern der Zeit nach. Sie wissen, daß die Transportzüge eingeschoben werden in den anderen Verkehr, daß sie also häufig an einem Punkte längere Zeit stehen. Wenn das Tränken blos an gewissen Stationen, wie es häufig vorgekommen sein soll, geschieht, dann stehen die Thiere oft sehr lange Zeit, ohne etwas zu bekommen, und werden dann weiter geschafft, und an den Stationen, wo sie ihre Erquickung erhalten sollen, bekommen sie aus Mangel an Zeit nichts. Der- dritte Punkt, aus den ich Ihre Aufmerksamkeit zu richten mir erlaube, ist der, daß die Denkschrift die große Verschlimmerung der Gefahren nachweist, welche dis Seuche in ihrer Ausbreitung mit sich führt durch unsere traurige Einrichtung der Schlachtsteuer in unseren großen Städten. Die Schlachtsteuer führt einmal an bestimmten Stellen eine Masse von Vieh zusammen, das häufig nur für den Augenblick zu Markte gebracht wird, das aber unter bestimmter Kontrole dorthin gestellt wird und, selbst inficirt, die Infektion weiter verbreitet, oder die Infektion dort erhält und dann verschleppt. Dieser Uebelstand wird durch einen eigenthümlichen und sehr traurigen Umstand verschlimmert. Wenn das Vieh hier in Berlin an den Metzger verkauft werden soll, tritt ein Stadium von 24 bis 48 Stunden, ja noch länger ein, wo Niemand ein rechtes Interesse an den Thieren selbst hat: der erste Besitzer hat es schon so gut wie verkauft, der neue Besitzer ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1872
Bd.: 26. 1872
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-26

ID: 00018361
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... noch 5 Stück. Die letzten 9 Stück des Berliner Transportes wurden getödtet, die übrigen auf dem abgesperrten Markte befindlichen Wiederkäuer jedoch während der folgenden 2 Tage in dem Etablissement Kammerdieners selbst unter polizeilicher und tierärztlicher Aussicht geschlachtet und das Fleisch derselben, nachdem die vollständige Gesundheit der Thiere festgestellt war, dem Konsum überlassen. Am 19. September 1870 brach die Rinderpest bei 3 Kühen einer Milchwirthschaft aus, bei welcher sich ein zur Aufstellung von Schlachtvieh vermietheter Stall befand. Zu den Fleischern, welche den letzteren benutzten, gehörte auch einer^ derjenigen, welche die beiden zuerst auffallend erkrankten Ochsen des Berliner Transportes gekauft und geschlachtet hatten. Die kranken Stücke der Milchwirthschaft wurden getödtet und vergraben, die übrigen geschlachtet und verwerthet. Am 20. September 1870 wurde die Rinderpest in Dresden bei einem geschlachteten Ochsen konstatirt, welcher am 11. September aus Böhmen (Teplitz) eingeführt worden war, und vom 11. bis 20. September nach einander in zwei zur Aufnahme von Schlachtvieh vermutheten Ställen gestanden hatte. Da Böhmen zu jener Zeit vollkommen seuchenfrei war, muß angenommen werden, daß die Infektion des qu. Ochsen in einem dieser Ställe e folgt ist. Von dem Dresdener Schlachtviehmarkte waren 3 aus Schlesien eingeführte Ochsen, welche mit denen des Berliner Transports Berührung gehabt hatten, nach dem Gute Langenrinne verkauft und, als der Ausbruch der Rinderpest in Dresden zur Kenntniß des Besitzers gelangte, sofort nach dem Vorwerke Alnpeck, woselbst sich kein Rindvieh befindet, gebracht worden. Diese 3 Ochsen erkrankten in der Zeit vom 4. bis 7. September 1870 an der Rinderpest, welche demnächst ...

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... dem Regierungsbezirke und der Belagerungsarmee vor Metz unterhalten hatte. In den Kreisen Saarbrücken und Saarlouis wurde die Rinderpest bereits in den letzten Tagen des August, in den übrigen Kreisen meist in den ersten 8 Tagen des September 1870 konstatirt. Mit Ausnahme des Kreises Wittlich sind sämmtliche Kreise des Regierungsbezirkes mehr oder weniger verseucht gewesen. Die Rinderpest verbreitete sich im Anfange unter stetigem Zunehmen; sie ging aus benachbarte Gehöfte über oder trat plötzlich auch in ganz entlegenen Ortschaften auf. Sehr bald gelang es jedoch, namentlich durch Tödten des Gesammtviehstandes der instzirten und häufig auch der noch seuchenfreien, jedoch von der Infektion bedrohten Gehöfte, die Seuche in engere Grenzen zu bringen nnd demnächst zu tilgen. Bereits im Oktober 1870 war die Rinderpest vollständig erloschen, und nur in den Kreisen Saarlouis und Saarbrücken kamen bis zum Dezember 1870 rosp. Januar 1871 vereinzelte Krankheitsfälle vor, welche auf eine erneute Einschleppung aus dem sehr stark verseuchten angrenzenden Theile Frankreichs zurückgeführt werden müssen. ä. Fürstenthum Birkenfeld (Großherzogthum Oldenburg). Am 23. August 1870 wurde ein angeblich mit der Klauenseuche behafteter Militär-Niehtransport von der Eisenbahn am Bahnhöfe Birkenfeld ausgeladen und nahe dem Stationsgebäude im Freien aufgestellt. Schon nach Ablauf weniger Tage wurde die Rinderpest bei zahlreichen Thieren des Transportes konstatirt; diese wenigen Tage hatten jedoch genügt, eine weitere Verbreitung der Krankheit zu vermitteln. Im Ganzen sind 9 Ortschaften verseucht worden; unter diesen 21 Orte, welche dem zur Aufstellung des Viehparks benutzten Felde unmittelbar benachbart liegen. Von letzteren aus ist die Rinderpest, wahrscheinlich in Folge ...

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... wurde geschlachtet, ein zweiter Ochse starb am 18., ein dritter am 20., ein bereits seit längerer Zeit auf dem Gute befindlicher am 21. Dezember. Außerdem waren noch andere Stücke des früheren Bestandes und die letzten 3 Ochsen des oben erwähnten Transportes erkrankt, als am 2 l. Dezember die Rinderpest auf dem Gute konstatirt wurde. Durch einen Ochsenknecht, welcher mit einem krepirten Ochsen des Gutes in Berührung gekommen war, wurde die Rinderpest auf ein zweites und von diesem auf ein drittes Gehöft in Hecklingen übertragen, dessen Besitzer als Viehrevisor auf dem zweiten Gehöft funktionirt hatte. Zur schnelleren Tilgung der Seuche wurde der Gesammtviehbestand der Abtheilung des Dorfes, in welcher die beiden zuletzt genannten verseuchten Gehöfte liegen, getödtet; der letzte Fall war den 21. Januar 1871 vorgekommen. In Pötnitz wurde die Rinderpest bei dem Viehstande eines Bauern am 30. Dezember 1870 konstatirt, nachdem bereits 4 Kühe desselben erkrankt und theils geschlachtet worden, theils krepirt waren. Die Seuche verbreitete sich auf den Viehbestand eines dem ersten verseuchten Gehöft gegenüber wohnenden Besitzers, welcher bei dem Schlachten der zuerst erkrankten Kuh hülfreiche Hand geleistet, ferner auf den Viehbestand des Schlächters, welcher dieselbe Kuh geschlachtet hatte, auf den Viehbestand einer Besitzerin, welche bei dem Verscharren der gefallenen Thiere zugegen gewesen und auf ein der Besitzung derselben gegenüberliegendes Gehöft; der letzte Fall kam den 21. Januar 1871 vor. Die Seuche hat mithin im Ganzen in 8 Gehöften geherrscht und vom 21. Dezember (Tag der Konstatirung) bis zum 28. Januar 1871 (Tag des letzten Falles) gedauert. Die Einschleppung der Rinderpest nach Hecklingen wird auf eine Infektion der erwähnten 6 Ochsen in einem noch Kontagium enthaltenden Eisenbahnwagen zurückgeführt. Bezüglich der Einschleppung in Pötnitz hat sich nur die Vermuthung aufstellen lassen, daß durch Viehhändler eine Verschleppung .vom Berliner Schlachtviehmarkt vermittelt ist, auf ...

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... dem Regierungsbezirk Bromberg (okr. Seite 241) ist auf Polen, nach dem Regierungsbezirk Oppeln (ekr. Seite 241) auf Galizien und die Einschleppung nach Niedermendig (vkr. Seite 241) auf Frankreich, welches zu jener Zeit noch stark verseucht war, zurückzuführen. Was die Viehratzen betrifft, durch welche die Einschleppung der Seuche erfolgt ist, so muß bemerkt werden, daß dabei die sogenannte Steppenratze nicht ausschließlich betheiligt gewesen ist. Es ist nachgewiesen, daß die Einschleppung der Rinderpest nach Bromberg und nach Oberschlesien in den Jahren 1870 und 1871, ebenso nach Ostpreußen und nach dem Regierungsbezirk Frankfurt im Jahre 1869, durch Vieh der östlichen Grenzländer, welches nicht der grauen Ratze angehörte, herbeigeführt worden ist. Die Erfahrung hat ferner gezeigt, daß bestimmte Viehhändler aus dem Ankaufe von verdächtigem Vieh in dem verseuchten Auslande ein besonderes und voraussichtlich sehr lukratives Geschäft zu machen scheinen. Die Unvollständigkeit und Unsicherheit der Entschädigung für, behufs der Seuchetilgung, getödtetes Vieh veranlaßt die Viehbesitzer in Polen häufig genug, ihren Viehstand so schleunig als möglich zu verkaufen, wenn derselbe von dem Kontagium der Rinderpest infizirt, oder von einer solchen Infektion nahe bedroht ist, und der Viehandel wird vielfach nur zu sehr geneigt sein, diese Verhältnisse zu seinem Vortheile auszubeuten. Verbreitung in Deutschland. Die Verbreitung der Rinderpest in Deutschland selbst erfolgte in der Mehrzahl der Fälle durch direkte Uebertragung des Kontagiums, d. h. durch Berührung des gesunden Viehs mit von der Seuche ergriffenen Thieren oder mit Theilen rosx. Auswurfsstoffen — Haut, Fleisch, Mist — der letzteren. Am häufigsten hat der Ankauf von infizirten, jedoch noch im Jukubationsstadium befindlichen Thieren oder dievorübergehende Einstellung kranker Thiere in Rindviehställe Gelegenheit zur Seuchenverbreitung gegeben. Die Uebertragung des Rinderpestkontagiums durch Zwischenträger ist in mehreren Fällen beobachtet worden (oouk. Selchow S. 236, Drigge S. 237, Heckingen Pötnitz S. 240 u. s. w.); ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1873
Bd.: 27. 1873
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-27

ID: 00018362
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... will, man Vorkehrungen treffen muß, daß nicht die ganze Gesellschaft auf einmal auf den Zmpfarzt zustürzt und sagt: „Zetzt will ich geimpft werden. Da sind die Pocken. „Zch muß jetzt geimpft werden. „Zch bin noch nicht wieder geimpft. Die Folge davon ist, daß mit mangelhaftem Impfstoff in oberflächlicher Weise häufig geimpft wird. Sie wissen vielleicht auch, daß hier von wissenschaftlicher Seite, von dem Medicinalkollegium aus, den Aerzten selbst an die Hand gegeben wurde, die Pockenlymphe, mit der sie weiter impfen wollten, mit etwas Glycerin zu mischen. um sie länger reichen zu lassen, weil der Andrang der zu Impfenden so groß war. Zn der That- eine mäßige Mischung mit Glycerin schadet der Wirksamkeit nicht. Aber gerade die Erfahrungen, die man mit der Verdünnung des Znfektionsstoffes gemacht hat, haben auf das ganze Gebiet der Infektionskrankheiten und ihre Entstehung ein sehr belehrendes Licht geworfen. Namentlich hat sich erwiesen, daß die intensive Kraft eines Ansteckungsstoffes mit der Verdünnung abnimmt und daß, wenn die Verdünnung einen gewissen Grad erreicht hat, die Infektion ganz aufhört. Wenn wir bei der Lymphe zu viel Glycerin nehmen, so ist sie nicht mehr wirksam, und so sagen wir bei dem Kontagium des Typhus und anderer Krankheiten und bei den Pocken selbst: „Ventilation vor allen Dingen! Laßt Luft einströmen in die Krankenzimmer, denn dadurch helft Zhr nicht blos dem Kranken, indem Zhr ihm gute Luft zu athmen gebt, sondern ihr verdünnt den Ansteckungsstoff in einer Weise, daß er weniger wirksam wird und vielleicht überhaupt nicht weiter wirken kann. Wollen wir also wirksame Impfungen ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1875
Bd.: 35. 1874/75
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-35

ID: 00018376
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... S14 Deutscher Reichstag. 40. Sitzung am 9. Januar 1875. zu schaffen. Zn den Ländern, in denen das Uebel noch nicht so weit vorgeschritten ist, hat sich aber auch dis Staatsgewalt dazu entschlossen, mit allen möglichen Mitteln dieser großartigen Kalamität und dieser Schädigung eines erheblichen Theiles des Nationalwohlstandes entgegenzutreten. Zn der Schweiz hat der Bundesrath die Sache in die Hand genommen. Er hat neben dem, daß er die Kantone beauftragt hat, nach Möglichkeit die Weinberge zu untersuchen, selber im Jahre 1874 eine Zentralkommission gebildet, bestehend aus Theoretikern und Sachverständigen, welche damit beauftragt sind, das schweizerische Weingebiet unter einer fortwährenden Kontrole zu halten und zu gleicher Zeit gesetzliche Maßregeln auszuarbeiten, wodurch demUebel einigermaßengesteuert werden kann. Zn Oesterreich hat die österreichische Regierung angeordnet, daß der Versuchsweingarten in Kloster-Neuburg, in den die Krankheit auch durch amerikanische Reben importirt wurde, zerstört werde, und außerdem hat sie in der letzten Zeit noch ein Gesetz vorbereitet — ich weiß nicht, ob es durch den österreichischen Reichsrath schon gegangen ist —, wodurch ein entschiedener Krieg gegen dieses schreckliche Insekt eingeleitet werden soll. Bei uns in Deutschland ist die Kalamität deshalb eine so drohende, weil sich der Feind nicht nur unseren Grenzen nähert, sondern weil auch die Gefahr der Verschleppung eine so außerordentlich große ist, daß durch ein Einfuhrverbot von Reben allein, wie es die Reichsregierung dankenswerth schon vor Jahren erlassen hat, der Gefahr der Infektion unserer Weinberge nicht vorgebeugt werden kann, da, wie auch Beispiele beweisen, in einzelnen Rebschulen die Krankheit schon nachgewiesen ist, wie ja schon vor Jahren ...

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... Reblaus behaftet sind, an Ort und Stelle zu vernichten, separatim abgestimmt wird. Vizepräsident Freiherr Schenk von Stauffenberg: Der Herr Abgeordnete Dr. Buhl hat das Wort. Abgeordneter Dr. Buhl: Meine Herren, ich erlaube mir, in Erwiderung auf die Bemerkung des Herrn Dr. Banks noch einmal darauf hinzuweisen, daß auch in diesem tz 2 ganz ausdrücklich gesagt ist: die zu diesem Zwecke, d. h. zu dem Zwecke der Untersuchung (tz 1), nöthige Anzahl von Stöcken darf ausgegraben werden. Die Bestimmung, daß die betreffenden Stöcke an Ort und Stelle vernichtet werden sollen, hat einen polizeilichen Eharakter, da die Gefahr der Verbreitung des Insektes durch Wurzelstöcke in andere Gegenden eine enorm große ist, so daß also, wenn mit den entwurzelten Weinstöcken experimentirt wird, gerade dadurch dje Gefahr des Weitertragens und der Weiterverschleppung der Krankheit sehr vermehrt wird. Die Vernichtung der entwurzelten Stöcke kann aber um so leichter verfügt werden, da diejenigen Stöcke, die zum Zwecke der Untersuchung ausgegraben werden müssen, und die krank erscheinen, doch keinen weiteren Werth mehr haben und nicht mehr in Weinbergen verwendet werden können. Zm übrigen, meine Herren, will ich, wenn eine Infektion in einem Weinberge nachgewiesen wird, die Rebstöcke desselben nicht auf Grund dieses Gesetzes ausrotten, sondern ich will, daß die Kommission in erster Linie sich mit dem Einzelstaate, in welchem der insizirts Weinberg gefunden wird, in Verbindung setze, damit der betreffende Weinberg desinfizirt werde. Das Gesetz gibt keine Vollmacht zur Vernichtung in größerem Maßstabe, sondern alle diese Maßregeln beziehen sich nur auf die Untersuchung selbst. Vizepräsident Freiherr Schenk von Stauffenberg: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Freiherr von Hoverbeck. Abgeordneter Freiherr von Hoverbeck: Zch danke dem Herrn Vorredner für die eben gehörte Erklärung. Zch glaube, sie läßt sich allerdings auch aus dem Wortlaute des h 2 entwickeln; ich bin aber doch außerordentlich zufrieden darüber, daß dieses Thema zur Sprache gekommen ist; denn ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1876
Bd.: 38. 1875/76
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-38

ID: 00018380
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... sie auf das Stück repartirt werden soll, doch immer so hoch bleibt, daß sie für den Verkehr empfindlich ist. Es ist im Süden Deutschlands nicht anders. Es gibt einzelne Theile im bayerischen Gebirge, wo die Kälber dieselbe Rolle spielen, wie die Ochsen in Oldenburg; sie werden hingebracht nach der Eisenbahn, sie fahren ein oder zwei Stunden, dann kommen sie an den Ort, wo sie gemästet werden. All dieser Verkehr wird für die Eisenbahnen aufhören- wenn eine Maßregel, wie sie in der zweiten Lesung beschlossen war, durchgeführt wird; jedenfalls wird er empfindlich vertheuert. Nun meine Herren, fragen Sie sich doch: was erreichen Sie damit, wenn Sie diese Transporte von den Eisenbahnen fortschaffen? Es ist gesagt, und mit Recht: die Eisenbahnen sind die1 Träger der Infektion.1 Aber auf der1 anderen Seite ist doch nicht zu übersehen, daß, wenn die Eisenbahnen die Träger der Infektion sind, sie auch Institute sind, die man1 sehr viel1 bequemer,1 wenn Veranlassung dazu1 da1 ist, fassen1 kann: man kann da die Desinfektion vornehmen. Wollen Sie nun wieder nicht blos dem kleinen Viehverkehr das unschätzbare. Mittel des Eisenbahntransports entziehen, sondern wollen Sie zugleich auch es dahin bringen, daß das Vieh, gegen welches Sie Mißtrauen haben — denn sonst würden Sie es diesen Beschränkungen nicht unterwerfen — zu Lande getrieben wird? Meinen Sie nicht, daß dadurch die Gefahr erheblich vergrößert wird? Alle1 diese Erwägungen haben1 die1 verbündeten Regierungen dahin geführt, Sie zu bitten, das Amendement anzunehmen, welches unter Nr. 45 der Drucksachen der Herr Abgeordnete für Bitterfeld gestellt hat. Sie glauben durch ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1877
Bd.: 46. 1877
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-46

ID: 00018390
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... ungünstigen Verhältnissen, wie Lisvin in Danzig beobachtete, durch energische Anwendung der Revaccination der Seuche Herr zu werden. Unmittelbar und gleichsam mit der Sicherheit des Experiments läßt sich der Erfolg der Revaccination nach den Beobachtungen aus Pockenhospitälern darthun. Nach den Angaben von Dr. Marson, des Arztes im Londoner Pockenhause, welche das englische Blaubuch mittheilt, erkrankten in 17 Zähren, von 1825 bis 1842, keiner von den Wärtern, (Bericht der Kommission für Petitionen.) die sämmtlich vor dem Dienstantritt revaccinirt wurden. Bei einem Umbau im alten Pockenhause wurde eine große Anzahl von Arbeitern monatelang darin beschäftigt; davon wurden nur 2 von den Blattern befallen und zwar diejenigen, welche sich der Revaccination entzogen hatten. — Zn dem seit einer Reihe von Zähren von Dr. Zuelzer geleiteten Pockenhause der Charite gilt es als Erfahrungssatz, daß nur solche Individuen ohne Gefahr, blatternkrank zu werden, längere Zeit unter den Kranken verweilen dürfen, welche während der ersten 3 bis 4 Tage ihres Aufenthalts dort revaccinirt werden. Wird diese Vorsichtsmaßregel unterlassen, so erfolgt fast ohne Ausnahme die Infektion. Während der letzten großen Epidemien wurde hier die bekannte Beobachtung vielfach bestätigt, daß unter den Wäscherinnen und anderen Personen, welche mit Wäsche und Kleidern der Kranken in Berührung kommen, eine Ansteckung aus zweiter Hand erfolgt. Die Krankheit kann auf diese Weise in weite Kreise verschleppt werden. Diese Infektion hörte von dem Augenblick auf, als (auf Zuelzers Vorschlag) das betreffende Dienstpersonal geimpft wurde. Der letzte Erkrankungsfall unter denselben, der Or. Zuelzer zur Beobachtung kam, betraf eine Wäscherin, die durch einen besonderen Zufall ungeimpft ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1878
Bd.: 48. 1878
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-48

ID: 00018395
12 / 279
... als Laie bin in einer sehr unangenehmen Situation gegenüber den Autoritäten, den „unantastbaren Autoritäten, — ich glaube, so heißt es in der Denkschrift des Reichsgesundheitsamts — die sich diesmal aber in Preußen befinden. Ach habe wohl kaum das Recht, da eine Kritik zu üben, und muß mich daher auf dasjenige verlassen, was über die Wirkung dieser Maßregel in Fachzeitschriften veröffentlicht worden ist. Ach nenne als eine solche Fachzeitung die deutsche medizinische Wochenschrift, hier in Berlin erscheinend, die sagt, —ich will vorher bemerken, in Preußen ist die Frage der Flußverunreinigung gelegentlich einzelner Fälle von drei Reffortministern entschieden worden; es ist das Gutachten der wissenschaftlichen Deputation, das in Bezug auf die betreffenden Verhältnisse der Stadt Köln ergangen ist, sämmtlichen Oberpräsidenten und Landdrosteien , mit der Bestimmung mitgetheilt worden, daß die Frage künftighin jedesmal an das preußische Staatsministerium zu bringen sei und daß, wo eine Entscheidung trotzdem nothwendig werde, diese zu erfolgen habe nach Maßgabe der betreffenden Gutachten der wissenschaftlichen Deputation. Zn der Sache selbst sagt diese Zeitschrift, die ich vorhin genannt habe:1 „wir haben unseren Standpunkt in der Frage dem Gutachten der preußischen wissenschaftlichen Deputation und der darauf begründeten Verfügung der drei Minister gegenüber oft und eingehend entwickelt, inzwischen keine Veranlassung gefunden, von dem abzugehen. Durch die letzteren werden die sanitären Zustände eine Reihe von größeren Städten (Köln, Stettin, Posen, bald vielleicht auch Breslau) auf das empfindlichste geschädigt. Die thatsächliche Folge der prinzipiellen ministeriellen Entscheidung in Preußen ist, daß die unglaublichste Infektion des Bodens der Städte mit aller Konsequenz fortbesteht, weil die wissenschaftliche Deputation künftigen Gefahren vorbeugen zu müssen glaubte. Nicht den Schatten eines Beweises bringt das Gutachten, daß eine solche Gefahr bei uns beobachtet worden sei. Es bringt völlig unhaltbare Angaben mit einer Statistik, die an Kühnheit nichts, wohl aber an Kenntniß des vorhandenen quellenmäßigen Materials recht sehr viel vermissen läßt. Es mag das Gutachten zu allem anderen dienen, nur nicht zur wissenschaftlichen Grundlage einer so tief einschneidenden allgemeinen Verfügung. Meine Herrenwenn das gegründet ist, was hier ausgeführt wird, dann glaube ich, ist es durchaus gerechtfertigt, wenn die Reichs- ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1878
Bd.: 49. 1878
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-49

ID: 00018396
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... 991 Deutscher Reichstag. Aktenstück Nr. 83. (Denkschrift über die Rinderpest.) Am 15. Februar erkrankte eine Kuh der Wittwe Menten, deren Viehstand 8 Haupt zählte, und am 18. Februar die einzige Kuh von R. Stromberg. Beide Gehöfte liegen in dem Stadttheile, welcher am meisten verseucht war. Nachdem die Seuche sich über 8 Gehöfte verbreitet hatte, verordnete die Königliche Landdrostei in Aurich die Tödtung der Rindviehbestände, welche in den beiden, am stärksten verseuchten Stadttheilen noch vorhanden waren. Das Fleisch sollte verwerthet werden. Da jedoch am 21. Februar von den zuerst geschlachteten 10 Rindern, die in drei verschiedenen Gehöften gestanden hatten, 3 Stück, und zwar von jedem der 3 Viehbestände je 1 Stück, sich mit den krankhaften Veränderungen der Pest behaftet zeigten, so wurde die Verscharrung sämmtlicher getödteter Rinder angeordnet. Außer den erwähnten 10 Thieren wurden noch 46 Stück Rindvieh und 1 Schaf aus ^^verschiedenen Gehöften getödtet. Trotzdem brach die Seuche am 4. März in dem Stalle von H. L. Hooten von Neuem aus. Zn diesem Stalle standen 15 Stück Vieh. Der Ansteckungsstoff war höchstwahrscheinlich mit dem Heu in den Stall des Hooten gebracht, welches in einem Haufen vor der Stadt unmittelbar an einem Düngerhaufen von dem R. Remmersschen Gehöfte gelegen hatte und am 5. Februar eingefahren war. Da die Seuche in dem Remmersschen Stalle erst am 9. Februar konstatirt worden war, so war noch Dünger von dem kranken Bullen, dessen Infektion am 1. stattgefunden hatte, hinausgeschafft worden. Ebenfalls am 4. März wurde auch 1 Schaf von 13 Stück, die in der Nähe des Platzes, wo das Strombergsche Vieh vergraben war, weideten, ...
... in Geestemünde empfangen hatte, so wurden über die Herkunft dieser Thiere weitere Ermittelungen angestellt, die jedoch ergaben, daß die Thiere die Pest nicht in Altona eingeschleppt hatten. Dieselben stammten aus seuchefreien Orten der Aemter Bremerföhrde und Hagen, Landdrostei Stade; sie waren in Geestemünde und während des Transports nach Hamburg nicht mit fremdem Vieh in Berührung gekommen und in ganz unverdächtigen Eisenbahnwagen transportirt. Auch mußte nach den Erfahrungen über die gewöhnliche Dauer der Krankheit von dem Zeitpunkte der Infektion bis zum Tode als wahrscheinlich angenommen werden, daß die Infektion der Thiere erst in dem Görrisschen Stalle, aber bereits in den ersten Tagen des Zanuar stattgefunden hatte. Es konnte damals die Infektion bewirkt sein durch Viehstücke, welche zusammen mit jenen am 3. Januar auf dem Hamburger Markte unverkauft (überständig) geblieben warm. Unter den letzteren befanden sich Thiere, welche der rc. Görris am 30. Dezember 1876 in zwei Transporten, nämlich 10 Stück vom Handelsmann Schubert und 13 Stück vom Handelsmann Stephan aus Breslau erhalten hatte. Nach den angestellten Ermittelungen sollte sowohl das Schubertsche als auch das Stephansche Vieh aus seuchefreien Orten Schlesiens stammen. Danach wäre anzunehmen, daß die Infektion der Thiere während des Transportes stattgefunden hatte, und zwar möglicherweise auf dem Breslauer Viehmarkte, wo die Stephanschen Thiere neben Thieren des Händlers Blendowski aus Beuthen gestanden haben sollten. Letzterer hätte dann schon Ende Dezember 1876 rinderpestkrankes Vieh auf den Markt in Breslau gebracht. Dies ist auch sehr wahrscheinlich. Aber daraus folgt nicht, daß die Stephanschen Thiere die Seuche ...

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... nicht inftzirt sein konnten, weil nur einer von den betreffenden Wagen während des Monats Januar zu einem unverdächtigen Viehtransporte nach Berlin benutzt worden war, so mußte die Infektion auf dem Dresdener Schlachtviehmarkte erfolgt sein. Diese Annahme stand auch mit der Erfahrung über die gewöhnliche Dauer der Inkubation im Einklang. Ein Stück von den 12 Thielschen Ochsen war am 3. Februar an einen Fleischer in Nippes bei Köln verkauft, daselbst jedoch, ohne vorher eingestellt gewesen zu sein, geschlachtet. Die übrigen wurden getödtet und außerdem noch 42 Ochsen, welche anderen Händlern gehörten, aber mit dem aus Dresden gekommenen Transport zusammen gestanden hatten. Von dem verseuchten Gaststalle aus verbreitete sich die Pest auf den Viehbestand des Nachbargehöftes. Dieser, sowie die kleinen Viehbestände (in Summa 8 Stück) in drei angrenzenden Gehöften wurden getödtet. 2. Regierungsbezirk Düsseldorf. Ein zweiter, von jenem in Köln beobachteten unabhängiger Seuchenausbruch in der Rheinprovinz wurde in Barmen konstatirt. Daselbst traf am 20. Februar gegen Abend der regelmäßig wöchentlich aus dem Osten kommende Extrazug mit Schlachtvieh ein. Derselbe brachte in ca. 25 Waggons 84 Ochsen. In einem Waggon fand sich ein todter Ochse, welcher auf der Station Milspe vor Barmen, angeblich weil er ein Bein gebrochen hatte, erstochen war. Bei der thierärztlichen Untersuchung fand sich jedoch bei dem Thiere kein Beinbruch ; dagegen wurden auf der Schleimhaut in den Nasenhöhlen, sowie im Maule verdächtige Ecchymosen und Röthungen bemerkt. Danach sprach der betreffende Thierarzt Verdacht auf Rinderpest aus. Als am 21. Februar, Vormittags, die Ochsen wieder untersucht wurden, fanden sich unter ...

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... eine Kuh in einem Gehöfte in einem bis dahin seuchefrei gebliebenen Stadttheile mit der Rinderpest behaftet befunden und wurde 83. (Denkschrift über die Rinderpest.) deshalb der 3 Stück zählende Viehbestand getödtet. Zm Ganzen sind in Geisenheim an der Rinderpest erkrankt bezw. als der Ansteckung verdächtig getödtet: 129 Stück Rindvieh, 37 Ziegen und 2 Hammel. Die Einschleppung der Seuche in Geisenheim war durch Vieh bewirkt, welches aus Oesterreich stammte oder doch mit österreichischem Vieh in Berührung gekommen war. Der Fleischer Schlepper in Geisenheim hatte mehrere Male im September und namentlich auch am 17. von dem Handelsmann Selig in Bischofsheim 2 Ochsen bezogen und von denselben einen am folgenden Tage geschlachtet und den zweiten am 20. oder am 21. desselben Monats zum Schlachten nach Rüdesheim versandt. Dem Schlepperschen Hause gegenüberliegt das Gehöft, in welchem am 27. September der erste Rinderpestfall vorgekommen ist. Der Besitzer dieses Gehöfts hat von dem von Schlepper am 18. September geschlachteten Ochsen Fleisch bezogen, auch in dem Schlachthause viel verkehrt, weil er den daselbst befindlichen Brunnen mit benutzte. Eine Verschleppung des Ansteckungsstoffes aus dem Schlepperschen in das gegenüberliegende Gehöft konnte deshalb leicht vorkommen. Die Kuh, welche am 27. September auffällig erkrankte, war höchst wahrscheinlich am 20. oder 21. desselben Monats infizirt. Da eine thierärztliche Untersuchung der Schlepperschen Ochsen nicht stattgefunden hatte, so war auch nicht mit Sicherheit festzustellen, ob dieselben krank gewesen waren oder nicht. Erfahrungsmäßig können übrigens auch solche Thiere, welchemit der Pest behaftet, aber anscheinend noch gesund sind, die Infektion anderer Thiere vermitteln. Zn ...
... einem zweiten Gehöfte, welches neben dem erstverseuchten liegt, erkrankte ebenfalls schon am 28. oder 29. September eine Kuh an der Pest. Diese Kuh konnte von der Kuh des Nachbargehösts nicht infizirt sein; die Infektion beider Kühe mußte fast gleichzeitig stattgefunden haben, und es wurde Hann auch ermittelt, daß der Besitzer des zweiten Seuchengehösts ebenfalls Fleisch von dem Schlepper bezogen hatte. Dagegen hatte der Besitzer des dritten Seuchengehöfts, in welchem der erste Krankheitsfall sich am 2. Oktober zeigte, angeblich weder Fleisch aus dem Schlachthause des Schlepper erhalten, noch war er in dessen Gehöft oder in eines ber ersten beiden Seuchengehöfte gekommen. Derselbe hatte jedoch Ende September frisches Fleisch aus dem neben seinem Gehöfte liegenden Schlachthause des Fleischers Abt erhalten, und dieser Fleischer hatte, wie die angestellten Ermittelungen ergaben, zu jener Zeit auch einen Ochsen geschlachtet, den er am 18. September auf dem Viehmarkte in Mainz gekauft hatte und der aus Bischofsheim von demselben Transporte wie die Schlepperschen Ochsen bezogen war. Wahrscheinlich hatte auch dieser von Abt geschlachtete Ochse Rinderpestkontagium in Geisenheim eingeschleppt. Anders als durch lebendes ausländisches Vieh konnte die Einschleppung der Seuche in Geisenheim nicht wohl bewirkt sein, da zu jener Zeit Deutschland seuchefrei war. Außer ben erwähnten, zum Schlachten bestimmten Ochsen war kein Vish in Geisenheim eingeführt; namentlich die zuerst erkrankten Thiere waren schon lange im Orte gewesen und auch vor ihrer Erkrankung mit fremdem Vieh nicht in Berührung gekommen. Zn Oesterreich, von wo die geschlachteten Ochsen bezogen warm, hatte zu jener Zeit die Rinderpest schon in ziemlich weiter Verbreitung geherrscht. Die ungewöhnlich starke Ausbreitung der Seuche in Geisenheim ist darauf zurückzuführen, daß diese schon lange bestanden hatte, als sie erkannt wurde, und daß sehr viele von den vorhandenen Kühen angespannt wurden und fast täglich auf der Straße mit einander in mehr oder weniger nahe Berührung kamen. Auch die Viehbesitzer verkehrten viel untereinander, betraten häufig fremde Gehöfte und konnten dabei leicht das Kontagium von einem zum andern der dicht aneinander liegenden Gehöfte verschleppen. Daß die ...

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... 697 Deutscher Reichstag. Aktenstück Nr. 83. (Denkschrift über die Rinderpest.) Evakuirung sämmtlicher Viehbestände in dem stark verseuchten Stadttheile zweckmäßig, ja nothwendig war, geht daraus hervor, daß schon in den Tagen, als die Tödtung des Viehes erfolgte, die Seuche noch in mehreren Gehöften zum Ausbruch kam. Sehr große Schwierigkeiten verursachte die Desinfektion, weil die Ställe meist sehr schlecht waren, so daß Wände und Decken zum Theil, letztere oft ganz entfernt, und ziemlich große Quantitäten Heu und Stroh, die über den Ställen auf den durchlöcherten Decken lagerten, vernichtet werden mußten. Auch waren in sämmtlichen Gehöften große Massen Dünger und Zauche vorhanden, die dazu bestimmt waren, nach der Lese in die Weinberge gebracht zu werden. Dazu kam noch, daß es an Transportmitteln fehlte, so daß Pferdefuhrwerke von auswärts requirirt werden mußten. Am 20. Oktober wurde der Ausbruch der Rinderpest in Eibingen, einem Nachbarorte von Geisenheim koustatirt. Die zuerst erkrankte Kuh war am 8. Oktober in Geisenheim gekauft und nach Eibingen transportirt; dieselbe war aber damals wahrscheinlich noch nicht infizirt gewesen, weil eine Znkubationsdauer von 12 Tagen bei der Rinderpest nach den bisherigen Beobachtungen wenigstens bei dem hiesigen Vieh nicht vorkommt. Auch sind die übrigen Thiere des Stalles in Geisenheim, aus welchem jene Kuh stammte, nicht an der Pest erkrankt. Wahrscheinlich war die Kuh erst nach ihrer Ankunft in Eibingen infizirt und die Infektion durch die Besitzerin vermittelt, welche einige Tage nach dem Kauf der Kuh wieder in Geisenheim gewesen und in verschiedene Gehöfte gekommen war. Trotz der sofortigen Beseitigung der kranken Kuh nebst vier anderen Kühen, ...
... Breslau, Berlin, Dresden und Hamburg ausgegangen. Diese Marktplätze konnten als Centren der einzelnen Seuchenbezirke betrachtet werden. Die Verseuchung des Schlachtviehmarktes in Breslau wurde dadurch ermittelt, daß die beiden von dem Markte nach der Wirthschaft Konkordia bei Brieg gebrachten Ochsen daselbst an der Rinderpest erkrankten. Da der erste Ochse am 11. Zanuar fiel, so mußte die Infektion desselben schon in den ersten Tagen des Zanuar stattgefunden haben. Es war danach anzunehmen, daß der aus 31 Stück bestehende Viehtransport, welchen der Fleischer und Viehhändler Blendowski aus Roßberg am 4. Zanuar auf den Markt in Breslau gebracht hatte und dem die beiden erwähnten, an der Pest gefallenen Ochsen entnommen waren, bereits bei seiner Ankunft in Breslau infizirt gewesen war und eine Verseuchung des Marktes herbeigeführt hatte. Aus den noch zu erwähnenden Thatsachen wird sich ergeben, daß sogar schon Ende Dezember rinderpestkrankes oder doch infizirtes Vieh auf den Breslauer Markt gekommen war. Da der Mark erst am 17. Zanuar geschloffen wurde, so konnte bis dahin eine wiederholte Verschleppung der Seuche stattfinden. Von dem Blendowskischen Vieh konnte die Krankheit direkt auf anderes Vieh übertragen werden, und haben Übertragungen auch in der That stattgefunden, und außerdem hatte das Vieh, welches zum Theil in dem Stalle des Marktplatzes übernachtete, auch diesen mit Ansteckungsstoff verunreinigt. Durch solches Vieh, welches auf dem Schlachtviehmarkte infizirt war, ist die Seuche nachweislich nach mehreren Ortschaften in der Umgegend von Breslau verschleppt worden. Diejenigen 12 Stück Vieh, welche der rc. Blendowski von feinem Transport in Breslau nicht verkauft, und außerdem 8 Stück, welche derselbe auf dem Markte in Breslau wieder zugekauft hatte, sind am 5. Zanuar nach Berlin expedirt und daselbst am ß. Zanuar auf den Markt gekom- ...

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... 698 Deutscher Reichstag. Aktenstück Nr. 83. (Denkschrift über die Rinderpest.) men. Von den in Breslau unverkauft gebliebenen 12 Thieren des ursprünglichen Transports stammten nach Aussage des Blendowski 10 Stück aus Woischnik und ein Stück, ein Bulle, von dem seuchenfreien Dominium Kotschentm. Ueber die Herkunft des 12. Thieres, eines Ochsen, hat der rc. Blendowski sich nicht geäußert. Ebenso ist auch die Herkunft der in Breslau verkauften und daselbst geschlachteten Thiere nicht festgestellt. Der erwähnte, angeblich von Kotschentm stammende Bulle mußte in Berlin am 8. Januar abgestochen und dann als „zu spät gestochen dem Abdecker überliefert werden. Der Bulle ist wahrscheinlich mit der Rinderpest behaftet gewesen und die Infektion desselben mußte bereits in den ersten Tagen, spätestens am 4. des Zanuar stattgefunden haben— ein neuer Beweis, daß Blendowski am 4. Zanuar mit Rinderpest behaftetes Vieh nach Breslau gebracht hatte. Höchst wahrscheinlich hatte derselbe seinem Transport solches Vieh, welches aus Rußland eingeschwärzt war, einverleibt gehabt. Von den 8 Stück Vieh, welche Blendowski in Breslau zugekauft hatte, stammten 7 Stück aus Sackern, Kreis Kröben, während 1 Stück vom Kommissionär Groß übernommen war. Daß durch das Blendowskische Vieh die Rinderpest auf den Viehhof in Berlin verschleppt worden ist, kann nach den ermittelten Thatsachen, namentlich nach dem spateren Verhalten des Viehes keinem Zweifel unterliegen. Von diesem Viehtransport wurden in Berlin 6 Stück verkauft und geschlachtet, und gingen die übrigen 13 Stück am 8. Zanuar nach Altona an den Kommissionär Wieck. Der Ausbruch der Rinderpest auf dem Schlachtviehhofe in Berlin konnte erst am 18. Zanuar bei einem Ochsen festgestellt werden, welcher, ...
... wie bereits mitgetheilt worden ist, aus einem seuchefreien Orte stammte, am 6. Zanuar auf den Viehhof gekommen und dann, da er nicht sofort verkauft wurde, als maul- und klauenseuchekrank unter Observation gestellt war. Daß die Infektion dieses Ochsen erst auf dem Schlachtviehhofe stattgefunden hatte, kann mit Rücksicht auf die Erfahrung in Betreff der Dauer des ersten, latenten Stadiums der Krankheit mit Sicherheit angenommen werden. Unzweifelhaft waren durch das Blendowskische Vieh, so lange dieses auf dem Viehhofe stand, sowie später auf den von jenem Vieh mit Ansteckungsstoff verunreinigten Plätzen verschiedene Thiere infizirt worden, die meisten aber wohl geschlachtet, bevor die Krankheit sich deutlich geäußert hatte. Eine Verschleppung der Seuche von Berlin durch daselbst infizirtes Vieh hat nachweislich stattgefunden nach Emden in Ostfriesland, nach Gelsenkirchen in Westfalen, nach Prenzlau und höchst wahrscheinlich auch nach Stahnsdorf in der Provinz Brandenburg. Der am 8. Zanuar von Berlin an den Kommissionär Wieck in Altona expedirte, aus 13 Stück bestehende Viehtransport wurde am 10. Zanuar auf dm Schlachtviehmarkt in Hamburg getrieben. Von den 13 Thieren blieben 6 unverkauft, und bei diesen, die in den Stall des Wieck zurückgegangen waren, wurde am 14. Zanuar die Rinderpest festgestellt. Da die Thiere sämmtlich hochgradig erkrankt waren, so mußte die Infektion derselben schon vor ihrer Ankunft in Altona stattgesunden haben. Die Thiere hatten ganz unzweifelhaft die Pest in den Wieckschen Stall eingeschleppt und waren schon mit der Krankheit behaftet gewesen, als sie auf dem Viehhofe in Berlin gestanden hatten. Damals hatte sich jedoch die Krankheit noch im latenten ...

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... fünf Tage nach der Infektion ausbricht, so können die infizirten Thiere trotz einer genauen Kontrole an der Grenze eingeführt werden. Es erscheint deshalb im hohen Grade wünschenswerth, daß das aus Oesterreich eingeführte Vieh unmittelbar an der Grenze nach einer bestimmten, noch zu erlassenden Vorschrift thierärztlich untersucht wird, um wenigstens die Einfuhr von offenbar erkrankten Thieren zu verhindern, und daß Aktenstücke zu den Verhandlungen des Deutschen Reichstages 1878. das Schlachtvieh ausschließlich in Schlachthäuser, die durch einen Schienenstrang mit der Eisenbahn verbunden sind, geführt und daselbst, bei Vermeidung jeder Berührung mit inländischem Vieh, binnen einer gewissen Frist geschlachtet wird. Die Ausfuhr des vollständig erkalteten Fleisches aus den Schlachthäusern ist nicht für gefährlich zu erachten, wenn die Thiere bei der thierärztlichen Untersuchung beim Schlachten noch gesund befunden sind. Die Gefahr liegt darin, daß die anscheinend noch gesunden, aber bereits infizirten Thiere erst geschlachtet werden, nachdem sie offenbar erkrankt sind, daß sie gar das Schlachthaus lebend wieder verlassen und die Krankheit verschleppen, oder daß sie auf Schlachtviehmärkten mit anderen Thieren, welche die Märkte lebend wieder verlassen dürfen, in Berührung kommen und dieselben infiziren. Die Einfuhr von Vieh anders als zum sofortigen Schlachten in Schlachthäusern würde nur dann eine große Gefahr nicht involviren, wenn das Vieh in den diesseitigen Grenzbezirken verbleibt und wenn in den betreffenden Bezirken eine scharfe Kontrole besteht, so daß ein etwaiger Ausbruch der Rinderpest sofort entdeckt wird. Wenn der Import von Vieh aus Oesterreich nur unter gewissen Beschränkungen gestattet ist, so sind auch strenge Maßnahmen gegen den ...

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... Kostenaufwand geschehen kann. Wenn die Rinderpest auf einem Schlachtviehmarkte zum Ausbruch kommt, oder wenn auch nur gegründeter Verdacht entsteht, daß ein Schlachtviehmarkt verseucht ist, weil von daher bezogenes Vieh erkrankte, so müßte jedesmal sofort der Abtrieb von Vieh von allen denjenigen Schlachtviehmärkten in Deutschland, auf welchen muthmaßlich infizirtes Vieh gestanden hat, verboten werden, bis sämmtliche auf den Märkten vorhandene verdächtige Thiere geschlachtet, auch alle verdächtigen Räumlichkeiten gehörig desinfizirt sind und der Auftrieb von neuem verdächtigen Vieh ausgeschlossen werden kann, d. h. bis die Pest, wenn auch noch nicht erloschen, so doch sicher lokalisirt ist. Die Nothwendigkeit dieser Maßregel ergießt sich aus den Mittheilungen über die Verbreitung der Seuche bei der Invasion in den Monaten Januar bis März 1877. Die Seuche kann erfahrungsmäßig auf einem Schlachtviehmarkte lange herrschen, bevor der offenbare Ausbruch erfolgt, indem das infizirte Vieh immer zur Schlachtbank kommt, ehe es deutlich erkrankt, nachdem es aber bereits wieder andere Thiere direkt angesteckt oder die Marktplätze und die Ställe mit Ansteckungsstoff verunreinigt hat. Es können dann, wie die Erfahrung lehrt, wiederholt infizirte, aber anscheinend noch gesunde Thiere den Marktplatz verlassen und die Seuche weit verschleppen. Wenn diese auf einem Marktplatze entdeckt wird, hat meistens auch schon eine Verschleppung nach anderen Marktplätzen stattgefunden. Auf den notorisch oder auch nur muthmaßlich verseuchten Schlachtviehmärkten, sowie überhaupt in verseuchten Ortschaften oder Bezirken sollte das eingeführte Schlachtvieh immer binnen drei Tagen abgeschlachtet werden, um jeder Anhäufung von Vieh oder dem Ausbruch der Krankheit bei den infizirten Thieren vorzubeugen. Daß das in einen Seuchenort eingeführte Vieh als infizirt betrachtet wird, ist die logische Konsequenz der Bestimmung im Z. 21 der Instruktion, daß alle Hausthiere, mit Ausnahme der Pferde, Maulthiere und Esel, im Stalle behalten werden Müssen, um einer Infektion der erkrankungsfähigen Thiere auf den Straßen u. s. w. vorzubeugen. Ferner sollten, wenn die Seuche auf einem Schlachtviehmarkte zum Ausbruch kommt, oder der begründete Verdacht, daß der Markt verseucht ist, entsteht, sofort möglichst genaue Ermittelung darüber angestellt werden, ob und wohin möglicherweise schon eine neue Verschleppung der Seuche statt- ...






Verhandlungen des Reichstages. - Berlin, 1879
Bd.: 52. 1879
Signatur: 4 J.publ.g. 1142 yb,A-52

ID: 00018399
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... unter Vergleichung der Gesammtkosten mit dem Anschlage nach dem Flottengründungsplan von 1873. Als Kommissarien des Bundesraths werden der heutigen Sitzung beiwohnen: bei der Berathung der internationalen Konvention, Maßregeln gegen die Reblaus betreffend: der Geheime Regierungsrath Herr Weymann; bei der Berathung des ersten Berichts der Kommission für Petitionen: der Oberstabsarzt Herr Dr. Löwer. Wir treten in die Tagesordnung ein. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist: erste und zweite Berathung der internationalen Konvention, Maßregeln gegen die Reblaus betreffend (Nr. 46 der Drucksachen). Ich eröffne dis erste Berathung. Der Herr Abgeordnete Dr. Buhl hat das Wort. Abgeordneter l)r. Buhl: Meine Herren, bei der vorliegenden Vorlage fühle ich mich verpflichtet, in erster Linie der Reichsregierung meinen Dank auszusprechen, daß sie uns die Vorlage überhaupt eingebracht hat und einen besonderen Dank noch für die große Umsicht und Energie, mit der sie seit dem Erlaß des Gesetzes von 1875 diese fatale Angelegenheit in Deutschland verfolgt hat. Meine Herren, über die Bedeutung der ganzen Frage werden Sie auf der ersten Seite der Denkschrift unterrichtet. Sie finden da die erschreckende Zahl, daß in Frankreich bis jetzt schon 288 000 Hektar Weinberge durch die Reblaus vollständig vernichtet sind, und daß weitere 365 000 Hektar mehr oder weniger durch dieselbe Noth gelitten haben. Die 288 000 Hektar repräsentiren den vierten Theil des französischen Weinbaus. Sie können sich also aus diesen Zahlen einen Begriff von der Kalamität machen, die über die gesegneten Provinzen Frankreichs dadurch hereingebrochen ist. Leider ist auch bei Ms in Deutschland eine ganze Reihe von Znfektionsheerden aufgefunden worden, und zwar sind verschiedene dieser Znfektionsheerde von der allergefährlichsten Art, da die Infektion in Rebschulen nachgewiesen wurde, die mit den Weinbau treibenden Bezirken in lebhaftem Verkehr stehen. Die erste Konstatirung dieser Art war in Erfurt, eine zweite war die bei Simon Louis krtzros zu Plantiäres 55 ...


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